Donnerstag, 01. Oktober 2026

8:31 von Gdansk – Poznan / 13:24 Poznan – Berlin / 17:48 Berlin – Nürnberg

Bei schönstem Wetter geht es durch eine weite, leicht hügelige Landschaft. Felder soweit man sehen kann. Freiflächen PV und Windräder, nicht so viel wie in Deutschland, aber immer wieder.

Polen hat im Monat unserer Reise 33% aus erneuerbaren erzeugt.

Die Gehöfte sind oft alt und urig mit Holzzäunen und im Grün eingewachsen. Dann gibt es wieder ganz neue Häuser mit gepflegtem Garten, Zaun und Kinderspielgeräten mitten in Niegendwo. Die Betriebe und Industrie schwankt zwischen Krawitschko und hypermodern.

Poznan, 2 Stunden im angrenzenden Einkaufszentrum mit Imbiss und ….

Ganz pünktlich weiter nach Berlin. Über der Oder verabschieden wir uns aus Polen.

In Berlin klappt natürlich gleich etwas nicht. Wir müssen nochmal von Lichtenberg nach Hauptbahnhof mit der U Bahn fahren.

Aber nun sitzen wir im letzten Zug dieser Reise, sind etwas traurig aber auch sehr sehr dankbar.

Mittwoch, 30. September 2026

Keinen Plan zu haben ist auch wunderbar. Besonders wenn es soviel Möglichkeiten gibt.

Wir sind spontan auf ein Schiffle gestiegen, welches auf die Westerplatte fährt. Das hat uns, als weiteres Geschichtslektion nicht so angesprochen, aber die Fahrt geht durch Werft und Hafen. Und das war schon sehr beeindruckend.

Zu Beginn ein Rennen mit einem alten Segelschiff. Wenn die Dinger vor der Kulisse von Gdansk liegen sind sie ganz hübsch. Wenn sie abit Highspeed an modernen Frachtern und Tanker vorbei rauschen nur noch albern.

Wir sind an der Westerplatte auch garnicht ausgestiegen sondern gleich wieder zurück geschippert um dann endlich zum Frühstück in die Foodhall zu spazieren.

Und es gibt auf dem alten Werftgelände noch eine weitere Foodhall für das zweite Frühstück. Sie befindet sich mitten in einem modernen, ansprechenden Gebiet mit neuer Wohnbebauung. Ich denke, dass sich der alte, charmante aber eben nicht wirklich nützliche Teil der Werft nicht mehr lange gegen weitere Gentrifizierung wehren kann. hoffentlich lässt man wenigstens einiges für die Kultur übrig.

Auf dem Werftgelände gibt es aktuell viel kleine Kunstinstallationen, Kneipen, Ausstellungen und wirkliche Werftarbeit.

Eine gute Installation bzw. Galerie zum feministischen Kampf der Polin:en.

Und eine schöne Bar direkt am Hafenbecken

Hier noch ein paar Bilder zu der neuen Bebauung des Geländes, die mir ganz gut gefällt aber eben auch dazu führen kann, dass von dem Reiz und der Spannung wenig bleibt. (6000€ / m2)

Dienstag, 29. September 2026

Nach dem Vormittag im Museum und Stadt haben wir beschlossen den Nachmittag am Meer in Sopot zu verbringen.

Mit der SBahn ist man in 20 min dort. Der Weg zu der quirligen Hauptstraße, die wiederum zur berühmten Mole führt, ist nicht zu verfehlen. Auf dem Weg wechseln sich Souveniershops,Restaurants und Bernsteinläden ab.

Für die Mole muss man einen kleinen Eintritt zahlen und darf dann diese sicher 30m breiten Weg bis zum Jachthafen und bis zum Leuchtfeuer gehen. Schon schön.

Am Ende habe wir unseren teuersten Drink genossen. Aber eben auch in moderner Umgebung mit Blick auf Ostsee, große Fähren auf dem Weg nach Gdynia, lustige Tourist:innen und dem Grandhotel am Strand.

Der Abend dann in Gdansk im Fischlokal bei Fish, Chips und Wodka.

Dienstag 29. September 2026

Gdansk und Solidarnosc – zwei untrennbare Begriffe, zumindest für Menschen meiner Generation.

Ich kann mich noch gut an das ambivalente Gefühl erinnern als damals im DDR Fernsehen über die Vorgänge in Polen berichtet wurde. Damals war Polen und Faulheit ein und das selbe. Da hatte sich an der deutschen Überheblichkeit auch durch die Klassenbrüderschaft nichts geändert. Und so wurde auch über die Streiks berichtet. Nichts von den Inhalten und Zielen sondern „die sind nur zu faul zum Arbeiten“. 10 Jahre später, bei der Verhängung des Kriegsrechtes war es ähnlich: „Seht, die Polen mit ihrer Gewerkschaft haben das Land zugrunde gewirtschaftet, jetzt hilft nur noch gewaltsames Einschreiten“

Aber da war auch die Erkenntnis, dass das sozialistische System immer wieder mit Gewalt auf Kritik reagiert. Und dass es dennoch möglich ist Dinge zu ändern. Eine freie Gewerkschaft – in der DDR undenkbar. Der Samen für den Gedanken „was würde passieren wenn wir streiken?“ war gelegt.

Das Solidaritäts-Museum in Gdansk (ECS European Center for Solidarity) befindet sich in einem sehr modernen Gebäude auf dem ehemaligen Werft Gelände. Direkt vor dem Museum das große Denkmal für die Opfer der ersten Streiks in den 70ern. Dieses Denkmal war übrigens Teil der Forderung der zweiten Streikwelle mit Lech Walenca an der Spitze.

Die Ausstellung ist sehr modern und technisch anspruchsvoll gemacht. Dank des Audio Guides auch für Leute die kein polnisch sprechen zu verstehen.

Vom Dach des Gebäudes hat man wieder einen ganz anderen Blick auf die Stadt als vom Rathaus. Viel mehr Werft und Hafen. Ist aber auch deutlich spannender.

Gleich danach ging es wieder hoch hinaus. In einem Hochhaus aus den 70ern gibt es ein gutes Restaurant im 16.Stock. Essen (Hering und Fischsuppe) waren wunderbar, die Aussicht auch.