Ich mag den Bericht mit dem organisatorischen Teil beginnen. Wir haben uns von einem privaten Shuttle fahren lassen, organisiert über das Hotel. Das ist eine gute Lösung. Man braucht nicht mit irgendwelchen Leuten im Bus sitzen, was besonders auf der Rückfahrt sehr sinnvoll ist.

Wir hatten die 6h Studien-Tour gebucht. Auch das ist bei der Informationsflut sinnvoll. Ich denke auch, dass diese Tour die bessern Guides bekommen. Und auch hier finde ich es gut das die Teilnehmenden etwas interessierter am Thema sind.

Die Tour führt als erstes durch das Stammlager (Mit dem Scheissspruch: Arbeit macht frei). Dort gibt es verschiedene Gebäude und Artefakte zu sehen. Die grausamen Bilder von Menschenhaar, Schuhen, Prothesen, Brillen, Kleidern kennt man, aber die sind dennoch sehr berührend.

Am meisten geflasht war ich von Zeichnungen die aus mehreren Baracken in einen Raum transferiert wurden und dort an den Wänden zu sehen waren. Trotz des unvorstellbaren Grauen sprach daraus Menschlichkeit und Zuversicht.

Weiteres Highlight ist der Galgen an dem Höss hingerichtet wurde.

Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Shuttlebus nach Birkenau (mit der Rampe).

Auf dieser Rampe zu stehen und den Weg zu gehen, der für hundertausende Menschen der letzte Weg war, ist schwer zu ertragen.

Ich kennen viele Bilder und Filme über das KZ aber was diese nicht vermitteln, ist die Größe. Bis zum Horizont Baracken oder Reste davon. Teilweise stehen nur noch Schornsteine. Alles ordentlich in Reih und Glied.

Auch sind die Jahreszahlen unbegreiflich. Die höchste Belegung und Mordleistung hatte das Lager 1944. Da war der Krieg längst verloren…

Ich weiß, die meisten die diesen Block lesen sind stabile Menschen und dennoch, wir müssen mehr tun. Ich weiß auch nicht was genau aber Danger Dan hat Recht: am Ende hilft nur Militanz.

Oswiecim steht auf den Wegweisern – klingt nicht ganz so schlimm….

Ich weiß ja was mich erwartet nur ist da dennoch eine Angst vor dem Ort. Und eine konkretere Angst also noch vor Jahren bei meinem Besuch hier. Es scheint nicht mehr unvorstellbar, dass sich die Geschichte wiederholt. Nicht der Holocaust, aber das Herrschen von Menschen, die sich überlegen fühlen, die ihre eigene Kraft aus der Unterdrückung und dem Quälen anderer ziehen.

Chaty hat empfohlen erst am Mittwoch auf den Wawel zu gehen, weil heute vieles geschlossen ist. Also heute in den jüdischen Teil Krakaus – den ehemals jüdischen Teil.

Heute scheint Kazimierz im Wesentlichen aus jüdischer Folklore zu bestehen. Restaurants, Kneipen, Hotels mit hebräischer Beschriftung. Ein Hotel sogar mit Mikwe (Sauna) . Die vielen Synagogen können besichtigt werden, aber sie werden nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Die Erinnerung an 60000 jüdische Menschen dient als Kulisse für Touristen. Irgendwie komisch.

Der neue jüdische Friedhof ist nicht nur wegen seiner Größe beeindruckend. Wie so oft auf ist alles mystisch, geheimnisvoll und ein wenig gruselig. Man sieht viele Grabsteine, auf denen der gewaltsame Tod in der Nazizeit erwähnt wird.

Auf der anderen Seite der Weichsel ist Podgorze. Dort war das Getto und daran erinnert ein großer Platz mit vielen leeren Stühlen aus Bronze. Hier hat Spielberg Szenen von Schindlers List gedreht.

Bei der Emailfabrik von Oskar Schindler waren wir auch. Leider haben wir versäumt Tickets im Vorfeld zu kaufen. Und für die nächsten Zeit Tage ist schon alles ausverkauft. Wir werden in Warschau Gelegenheit haben eine ähnliche Ausstellung zu besuchen.

Hier noch eine besonders „gelungene“ Warenpräsentation auf einem Miniflohmarkt mitten in Kazimierz

Eigentlich waren 10h geplant und einmal Umsteigen in Leipzig. Am Ende waren es 12,5 h und dreimal umsteigen.

In Leipzig haben wir schönes Abteil bezogen. Mit uns nur eine weitere Fahrgästin, welche in die Ukraine fahren wollte. Außer dass die Klimaanlage auf Hochtouren lief, schien alles in Ordnung. An der ersten Station in Polen, in Wegliniec, kam dann eine Durchsage, dass der Zug nicht weiterfahren kann und vor dem Bahnhof Busse stehen. Die waren schnell voll und weg. Und dann standen ca. 150 Leute mit Gepäck und ohne Ahnung in der Pampa. Keine weiteren Infos. Nach einer Stunde plötzlich Bewegung. Alle schleppten ihr Gepäck wieder auf den Bahnsteig. Uns siehe, die polnische Bahn hat einen Ersatzzug bereitgestellt, der aber nur bis Wrozlaw fuhr.

Diese führte dazu, dass wir nach Krakau in einen anderen, eigentlich schon ausgebuchten Zug mussten. Aber auch das hat die Bahnganz gut hinbekommen. Sie haben einfach zwei Wagen angehängt. So war es zwar eng und voll, aber wir mussten nicht im Gang stehen.

Ein bisschen bessere Kommunikation und es wäre das perfekte Krisenmanagement gewesen.

Gestern noch geputzt und gepackt und jetzt schon fast in Erfurt.

Erste Klasse! Im Frühjahr gab es mal ein Aktion der Bahn: 2. buchen, 1. fahren. Bis Leipzig ist es fast egal, aber auf dem langen Stück nach Krakau sicher ganz angenehm.

Fahrt zum Airport Manchester ✅

Gepäckabgabe ✅

Die berühmte alte Oma hat übrigens keine Chance. Das ist alles voll digitalisiert und automatisiert.

Frühstück ✅

mit nem Bier vor dem ersten Kaffee, damit muss jetzt wieder Schluss sein

Boarding ✅

Flug ✅

Ruhig, harte Landung

Gepäckausgabe 💥

Am Ende gelernt, das das Gepäck für gebuchte Anschlusszüge direkt im Bahnhof rauskommt und nicht am Gepäckband. Da es dort eh verspätet losging warteten wir bis wirklich nix mehr nach kam. Dann zur Gepäckklärung und die verwiesen uns grinsend zum Bahnhof.

Ersatzzug 🆗

Damit die Anreise zum Flughafen nicht zu hektisch wird, haben wir uns entschlossen die Nacht vor dem Rückflug in Manchester zu verbringen, dann bleibt früh nur ein Stück mit der S Bahn.

Manchester macht keinen so gewinnenden Eindruck wie Liverpool oder Cardiff. Man merkt die Industriestadt. Alles sehr belebt und wuselig. Ein offensichtlich sehr starker ÖPNV mit vielen Bussen und hupenden! Straßenbahnen. Keine zwingend zu besuchenden Highlights. Aber zum rumstollen fein.

Wir hatten ja auch nur ein paar Stunden. Also ging es durch das Gay Quartier mit viel Regenbogen und ein paar Denkmälern die an die schlimme Anfangszeit von Aids und an den großen Mathematiker Alan Touring erinnern. Der Mann war schwul und das wurde ihm, trotz seiner Verdienste zum Verhängnis.

Liverpool

Den Beatles kann man in Liverpool nicht entkommen. So wenig wie den beiden Fußballvereinen.

Jede zweite Kneipe macht auf irgendeine Art Werbung mit ihnen. Die gefühlt 10 Beatles- Usern sind alle das Original. Es gibt Beatles Merch an allen Ecken. Beatle-Botel, Karaoke, Friseure etc.

Höhepunkt ist die Street in welcher sich der Cavern Club befinden. der Club in dem die Band ihre ersten und dann viele weitere Auftritte hatte . Heute lieder nur ein Nachbau, weil der Originalkeller in den 1970 einem U-Bahn Projekt weichen musste. Zwei Stockwerke unter der Erde in tonnenförmigen Gewölben die berühmte Bühne. Die dunklen Backsteine über und über mit Signaturen von Gästen. Bilder der Bands und Künster:innen die dort aufgetreten sind. Auf der Bühnen Musiker die mit Coverversionen das Publikum anheizen. An einem Mittwoch Nachmittag lag der Altersdurchschnitt der Besucher aus aller Welt über 50 und es ging gesittet zu. Am Wochenende ist da sicher typisch britisch die Hölle los.

Naja in die Fußballvereine sind das so präsent.

Liverpool

Chinatown ist heute etwas albern aber war das erste Chinatown Europas. Damals war es voller Emigranten und die kleine Heimat der chinesischen Community. Heute erinnert nur das Tor, ein paar Ballons und die zweisprachigen Straßenschilder daran.

Das Baltic Triangle war ein Quartier für Lagerhäuser und Industrie ist jetzt zum hippen Viertel geworden. Viel Kreatives, Graffities, Party-Locations. Und ein riesiges Kaufhaus für Kram, Kunst, Vintage etc.

An einem Montagvormittag alles etwas ausgestorben, aber man kann ahnen wie es hier am Abend und Wochenende abgeht.

Die Hope Street ist eine Einkaufs- und Fressstrasse. Kleine unabhängige Läden, viel Second Hand, alles schon ein wenig angeranzt.