8:31 von Gdansk – Poznan / 13:24 Poznan – Berlin / 17:48 Berlin – Nürnberg
Bei schönstem Wetter geht es durch eine weite, leicht hügelige Landschaft. Felder soweit man sehen kann. Freiflächen PV und Windräder, nicht so viel wie in Deutschland, aber immer wieder.
Polen hat im Monat unserer Reise 33% aus erneuerbaren erzeugt.
Die Gehöfte sind oft alt und urig mit Holzzäunen und im Grün eingewachsen. Dann gibt es wieder ganz neue Häuser mit gepflegtem Garten, Zaun und Kinderspielgeräten mitten in Niegendwo. Die Betriebe und Industrie schwankt zwischen Krawitschko und hypermodern.
Poznan, 2 Stunden im angrenzenden Einkaufszentrum mit Imbiss und ….
Ganz pünktlich weiter nach Berlin. Über der Oder verabschieden wir uns aus Polen.
In Berlin klappt natürlich gleich etwas nicht. Wir müssen nochmal von Lichtenberg nach Hauptbahnhof mit der U Bahn fahren.
Aber nun sitzen wir im letzten Zug dieser Reise, sind etwas traurig aber auch sehr sehr dankbar.
Keinen Plan zu haben ist auch wunderbar. Besonders wenn es soviel Möglichkeiten gibt.
Wir sind spontan auf ein Schiffle gestiegen, welches auf die Westerplatte fährt. Das hat uns, als weiteres Geschichtslektion nicht so angesprochen, aber die Fahrt geht durch Werft und Hafen. Und das war schon sehr beeindruckend.
Zu Beginn ein Rennen mit einem alten Segelschiff. Wenn die Dinger vor der Kulisse von Gdansk liegen sind sie ganz hübsch. Wenn sie abit Highspeed an modernen Frachtern und Tanker vorbei rauschen nur noch albern.
Wir sind an der Westerplatte auch garnicht ausgestiegen sondern gleich wieder zurück geschippert um dann endlich zum Frühstück in die Foodhall zu spazieren.
Und es gibt auf dem alten Werftgelände noch eine weitere Foodhall für das zweite Frühstück. Sie befindet sich mitten in einem modernen, ansprechenden Gebiet mit neuer Wohnbebauung. Ich denke, dass sich der alte, charmante aber eben nicht wirklich nützliche Teil der Werft nicht mehr lange gegen weitere Gentrifizierung wehren kann. hoffentlich lässt man wenigstens einiges für die Kultur übrig.
Auf dem Werftgelände gibt es aktuell viel kleine Kunstinstallationen, Kneipen, Ausstellungen und wirkliche Werftarbeit.
Eine gute Installation bzw. Galerie zum feministischen Kampf der Polin:en.
Und eine schöne Bar direkt am Hafenbecken
Hier noch ein paar Bilder zu der neuen Bebauung des Geländes, die mir ganz gut gefällt aber eben auch dazu führen kann, dass von dem Reiz und der Spannung wenig bleibt. (6000€ / m2)
Nach dem Vormittag im Museum und Stadt haben wir beschlossen den Nachmittag am Meer in Sopot zu verbringen.
Mit der SBahn ist man in 20 min dort. Der Weg zu der quirligen Hauptstraße, die wiederum zur berühmten Mole führt, ist nicht zu verfehlen. Auf dem Weg wechseln sich Souveniershops,Restaurants und Bernsteinläden ab.
Für die Mole muss man einen kleinen Eintritt zahlen und darf dann diese sicher 30m breiten Weg bis zum Jachthafen und bis zum Leuchtfeuer gehen. Schon schön.
Am Ende habe wir unseren teuersten Drink genossen. Aber eben auch in moderner Umgebung mit Blick auf Ostsee, große Fähren auf dem Weg nach Gdynia, lustige Tourist:innen und dem Grandhotel am Strand.
Der Abend dann in Gdansk im Fischlokal bei Fish, Chips und Wodka.
Gdansk und Solidarnosc – zwei untrennbare Begriffe, zumindest für Menschen meiner Generation.
Ich kann mich noch gut an das ambivalente Gefühl erinnern als damals im DDR Fernsehen über die Vorgänge in Polen berichtet wurde. Damals war Polen und Faulheit ein und das selbe. Da hatte sich an der deutschen Überheblichkeit auch durch die Klassenbrüderschaft nichts geändert. Und so wurde auch über die Streiks berichtet. Nichts von den Inhalten und Zielen sondern „die sind nur zu faul zum Arbeiten“. 10 Jahre später, bei der Verhängung des Kriegsrechtes war es ähnlich: „Seht, die Polen mit ihrer Gewerkschaft haben das Land zugrunde gewirtschaftet, jetzt hilft nur noch gewaltsames Einschreiten“
Aber da war auch die Erkenntnis, dass das sozialistische System immer wieder mit Gewalt auf Kritik reagiert. Und dass es dennoch möglich ist Dinge zu ändern. Eine freie Gewerkschaft – in der DDR undenkbar. Der Samen für den Gedanken „was würde passieren wenn wir streiken?“ war gelegt.
Das Solidaritäts-Museum in Gdansk (ECS European Center for Solidarity) befindet sich in einem sehr modernen Gebäude auf dem ehemaligen Werft Gelände. Direkt vor dem Museum das große Denkmal für die Opfer der ersten Streiks in den 70ern. Dieses Denkmal war übrigens Teil der Forderung der zweiten Streikwelle mit Lech Walenca an der Spitze.
Die Ausstellung ist sehr modern und technisch anspruchsvoll gemacht. Dank des Audio Guides auch für Leute die kein polnisch sprechen zu verstehen.
Vom Dach des Gebäudes hat man wieder einen ganz anderen Blick auf die Stadt als vom Rathaus. Viel mehr Werft und Hafen. Ist aber auch deutlich spannender.
Gleich danach ging es wieder hoch hinaus. In einem Hochhaus aus den 70ern gibt es ein gutes Restaurant im 16.Stock. Essen (Hering und Fischsuppe) waren wunderbar, die Aussicht auch.
Von Puck zum Airport Gdansk ging es, trotz montäglichem Berufsverkehr recht flott und auch das Abgeben des Autos war kein Thema (nachdem wir die EuropCar Box gefunden hatten – ein paar Schilder täten gut).
Mit dem Zug nach Gdansk Glowny Auch hier wieder sehr pünktlich, sauber. Für das Buchen des Tickets gibt man immer nur das Zeile ein, der Automat weiß dann schon welche Tarifzone ist.
Mit dem Uber zum Hotel. Die Zimmer waren noch nicht fertig, aber wir konnten das Gepäck einschließen lassen und uns gleich auf den Weg machen.
Da unser Motel One direkt in der Innenstadt liegt, waren wir auch nach wenigen Schritten mitten drin.
Die Rechtsstadt ist das alte, aber auch nach völliger Zerstörung neu aufgebaute Danzig. Schöne große Bürgerhäuser mit bunten, reichlich verzierten Fassaden. In jedem Haus ein Restaurant oder Bernsteinladen. Im Sommer sicherlich völlig überlaufen.
Der Ausblick vom Rathausturm belohnt den anstrengenden Aufstieg.
Gleich nach dem Rathaus kommt man zur Marienkirche. Sie ist im inneren außergewöhnlich hell. Keine Buntglasfenster und weiße Wände vermeiden den düsteren Eindruck den man sonst so oft in Kirchen hat. Eine faszinierende astronomische Uhr und ein verstörendes Endzeit Gemälde gibt es zu sehen.
Der weitere Weg führte durch viele kleine Gassen zur Markthalle. Diese wurde erst im August 2026 als Foodcourt wieder eröffnet. Viele kleine Imbissstände mit Küchen der ganzen Welt laden zum Essen ein. Sehr fein….
Am Abend, nach ein kleinen Pause im mittlerweile bezogenen Hotel, dann das Ganze nochmal am Abend. Diesmal etwas mehr am Wasser.
Gleich früh mit dem Zug nach Hel. Das ist der Ort an der Spitze der gleichnamigen Halbinsel. Zugfahren in Polen macht Spaß und ist relativ preiswert. Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt kostet 8 €, nicht viel mehr als von uns nach Nürnberg.
Hel ist ein Fischerdorf, ein Urlaubsort und eine ehemals wichtiger Militär-Ort. Aus allem Versuch man Kapital zu schlagen. Aber nicht unsympathisch. Naja, der Militärkram nervt schon.
Ehrlich wärt am längsten
Der lange Spaziergang an der Spitze der Halbinsel im warmen weichen Sand war ein Highlight der Reise.
Wir haben uns sogar in das klare Wasser der Ostsee gewagt und sind, gemeinsam mit den vielen Quallen eine Runde geschwommen.
Ein wenig traurig waren wir schon als wir heute Morgen die alte Schule in Czerwonik verlassen haben. Es waren ganz schöne Tage dort und besser als Petra kann ich es nicht beschreiben:
Weiter geht unsere Reise an die Ostsee. Vor der großen Stadt Gdansk haben wir noch einen Tag am Strand eingebaut. Puck – liegt vor dem Meer geschützt durch die Halbinsel Hel.
Die Fahrt führte über Malborg – Marienburg, die größte Burg des Deutschen Ordens. eine wirklich beeindruckendes Ensemble von Bauwerken aus Backstein.
Die Besichtigung ist straff organisiert und der obligatorische Audioguide funktioniert prächtig. Es war auch ziemlich voll. Diese Burg ist UNESCO Weltkulturebene und lockt viele Besucher:innen an.
Puck ist ein kleiner Ostseeort mit Hafen und touristischer Infrastruktur, die jetzt aber schon zum großen Teil eingemottet ist.
Es gibt nichts zu berichten, weil wir wirklich nichts berichtenswertes gemacht haben. Viel lesen, Kanu des Manitu schauen, Bilder sortieren und bearbeiten, Schlafen…..
Am Nachmittag dann doch ein kurzes Aufflammen der Aktivität und ein Bad im See. Petra ganz ich nur halb.
Wenn wir nur 40 km entfernt sind, dann wollten wir diesen Ort auch sehen.
Also schön haben es sich die Verbrecher nicht gemacht. Mitten im Wald, wo sicher selten so gutes Wetter wie heute herrschte. Saukalt mit Schnee oder Heiß mit Mücken. Nie Sonne, da alles mit Tarnnetzen überdacht war. Unter meterdicken Betondecken.
Und dann bewacht von einer Dilettanten-Truppe, die ein fette Bombe unter den Besprechungstisch haben stellen lassen. Leider war der Tisch zu stabil, die Bombe wurde weggeschoben und dieser eine Raum hatte Fenster.
Heute ist es eine gut gestaltete Stätte. Man sieht die Rest der Bunker, die alle gesprengt wurden. Ein Haufen Beton, mit Stahlarmierung und dort wo die Decken zu sehen sind, hübsche Tropfsteine. Alles mit Moos bewachsen.
Die Erklärtafeln in vier Sprachen sind gut gemacht. Es gibt keine sichtbaren Zeichen, dass dort irgendwelche Nazis einen Kult feiern (wäre auch sehr seltsam im Angesicht der kompletten Niederlage, die dort zu sehen ist)
Vier kleine Ausstellungen, eine mit Artefakten die man dort gefunden hat (u.a eine Weihnachstbaumkugel mit Hitlers Visage). Eine zweite zum Warschauer Aufstand, die dritte allgemein über den WW2 und die vierte über das Attentat von Hr.Stauffenberg.
Das war die Baracke, in welcher die Bombe explodierte
Skurriler Humor der Besucher:innen
Nach dem Besuch sind wir zu einem alten Herrenhaus mit einem schönen Garten gefahren. Heute ein Hotel.
Zum Abschluss noch nach Mikolajki.
Auch das ist ein sehr touristischer Ort. Die vielen geschlossenen Restaurants, Verkaufsstände etc, lassen vermuten, dass hier in der Saison ziemlich viel los ist. Der Ort hat einen Hafen und man sieht unzählige Boote aller Art, die man mieten kann.
Nach einem wiederum fürstlichen Frühstück ging es heute auf eine kleine Rundreise.
Station 1: ein Friedhof, auf welchem noch viele Gräber mit deutscher Beschriftung zu finden sind.
Mit dem Thema, wann war hier was deutsch, sind bestimmt ganze Bücher gefüllt worden.
Bis 1945 war es immer ziemlich gemischt. Danach wurden die Menschen die noch hier lebten, zum großen Teil nach Westen umgesiedelt und hier wurden Leute angesiedelt, die wiederum aus den, von der Sowjetunion besetzten Gebieten Polens vertrieben wurden.
ChatGPT :
Der Friedhof ist in Benutzung und nur ein kleiner Teil mit alten Gräbern ist übrig.
Die Grabsteine waren zum Teil,wirklich schon alt, aber super erhalten. Ich denke das ist Glas. Es ist kein bisschen verwittert.
Station 2: noch ein Friedhof in einem ganz kleinen Dorf. Alles überwuchert und kaum noch etwas zu sehen.
Station 3: Wojnowo, da gibt es ein Kloster der Altgläubigen und eine russisch orthodoxe Kirche.
Die Altgläubigen sind eine ziemlich alte und radikale Sekte. Selbstverbrennungen im grossen Stil war deren Leidenschaft.
Heute leben in dem Kloster keine Nonnen mehr. Aber alte Muttis malen bei religiösen Weisen im Café Ikonen.
Am schönsten ist der Weg wieder weg von da.
Es gibt auf dem Gelände auch eine Sauna…ach man will es überhaupt nicht wissen.
Die orthodoxe Kirche war schön verschlossen. Da hat ein nach dem Krieg eingewanderter russischer Pope eine Gemeinde gegründet und den Altgläubigen die Schäflein abgejagt.
Spannender war das Holzhaus daneben mit dem traurigen Hofhund und der schwebenden Dachrinne.
Station 4: Krutyn, ein sehr touristischer Ort an dem Flüsschen Krutina.
Im Sommer ist dort sicher die Hölle los. Die Anzahl der Paddelboote lässt schlimmes vermuten. Wir hatten eine Doku über diesen Fluss gesehen und es ist ein Naturparadies und zum Paddeln einfach wunderschön. Jetzt wäre man allein.
Wir haben eine kleine Wanderung ins Gebiet von Eisvogel und Otter gemacht, die natürlich beide wieder nicht zu Hause waren.
Einen sehr interessanten Ferienpark haben wir noch gesehen. Keine Ahnung wie man es dort lange aushält, aber die Hütten haben eine interessante Ausstrahlung.
Den Abend dann wieder vor dem Kamin beim Schreiben und lesen.